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Stichwort-Suche nach: Homosexualität.

Na also: Homosexualität ist doch heilbar

Wer wie Fabian Goldmann Heterosexualität als rein kulturelles, als erlerntes Verhalten, als erfundenes »Konzept« darstellt, tut ausgerechnet Homo-Heilern einen Gefallen. Denn wenn Heterosexualität erlernt wird, dann ist im Umkehrschluss Homosexualität »verlernbar«.

Tapp, tapp, tapp. Drei Schläge mit ihrer flachen Hand auf meine Schulter, um mir zu signalisieren, dass ich doch mal kurz aufhören solle. »Ich muss dir etwas sagen.« Die Frau, in die ich mich in den zurückliegenden Monaten immer mehr verliebt hatte, musste mir endlich, und zwar schon reichlich spät, »beichten«, dass sie lesbisch ist. Es folgte (nicht nur) ein sehr ausführliches Gespräch über das Leben, über Gefühle, Erfahrungen, Sexualität, unter anderem mit der Frage, ob ich homophob sei. »Ich hoffe, nicht«, war meine Antwort. Wer mich etwas besser kennt, weiß, dass ich ein recht entspanntes Verhältnis zu diesen Themen habe – und wer bin ich denn auch, dass ich mich moralisch über andere Leute stelle? Erst recht nicht wegen der profanen Frage, wen jemand liebt. Einig waren wir uns auch, dass man sich eben nicht aussucht, von wem oder was man sich sexuell angezogen fühlt.

Der Journalist und Politik- und Islamwissenschaftler Fabian Goldmann belehrt mich und alle anderen jetzt eines besseren:

Heterosexuelle sind homophob. Nein, nicht nur jene 25 Prozent, die laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage Homosexualität für „unmoralisch“ halten. Auch nicht nur die 40 Prozent, die es „ekelhaft“ finden, wenn sich Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit küssen. Nein, alle Heteros sind homophob. Alle! Und das nicht nur, weil sie in einer homophoben Gesellschaft aufwachsen. Heteros sind homophob, weil sie Heteros sind. Oder besser: Weil sie zu Heteros gemacht wurden.

Ja, natürlich: Unser gesamtes soziales Verhalten einschließlich unserer Sexualität ist gesellschaftlich geprägt, es gibt auch einen gewissen Druck, heterosexuell zu sein (zumindest hierzulande nimmt dieser Druck langsam aber stetig ab), und ja: viele Männer könnten mal akzeptieren, dass es weder ihre Männlichkeit noch ihre Sexualität in Frage stellt, wenn sie einen anderen Mann in den Arm nehmen. Und die Grenzen zwischen Hetero, Bi und Homo sind durchaus fließend. Aber dass nicht jeder Mann den Wunsch hat, auch mal mit anderen Männern ins Bett zu steigen, muss genau so akzeptiert werden wie die Tatsache, dass es strikt homosexuelle Menschen gibt. Das macht einen nicht zu einem homophoben Arschloch.

Wer tatsächlich der Meinung ist, die heterosexuelle Orientierung sei ausschließlich antrainiert, erlernt, der müsste auch die Arbeit von »Homo-Heilern« akzeptieren: Diese propagieren ja gerade, dass man Heterosexualität »erlernen« kann bzw. Homosexualität »abtrainieren«. Vielleicht sollte Goldmann noch einmal mit den »Behandelten« sprechen und sich noch einmal überlegen, wie wahrscheinlich es ist, dass alle Heten erst zu Heten gemacht worden sind.