Andreas Scheuer: Das CSU-Gesicht für den rechten Mob

Martin Oswald kommentiert bei Regensburg Digital sehr passend die rhetorischen Ausfälle von CSU-Generalsektretär Andreas Scheuer (mit dem Til Schweiger damals bei Maischberger so unterhaltsam aneinander geraten ist) und kommt zu folgendem Fazit:

Die begriffliche und argumentative Anschlussfähigkeit Andreas Scheuers an den rechten Mob und das scheinbar enttabuisierende Spiel mit rassistischen und kulturalistischen Ressentiments à la AfD ist schon länger fester Bestandteil des verbalen und inhaltlichen Standardrepertoires Scheuers

Man könnte auch etwas kürzer sagen: Der Andi passt halt schon ganz gut zur CSU.

Ich bin Bernd Höcke und ich finde kleinere Gehirne besser

»Ich bin Bernd[sic!] Höcke und ich finde kleinere Gehirne besser.« Das sage nicht ich, sondern Nico Semsrott.
Schöner Auftritt, Nico! Ich fürchte nur, das wird ein gutes Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl am kommenden Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern auch nicht verhindern. Scheiße.

Jens Berger zu Hate Speech und Facebook-Zensur

Noch einmal zum Thema »Hate Speech« ein kleiner Lesetipp: Der Journalist Jens Berger spricht ein paar bedenkenswerte bzw. problematische Dinge rund um Hate Speech und Facebook in einem Artikel auf den Nachdenkseiten unter dem Titel »Die Allmacht der Algorithmen – unser Facebook-Dilemma« an:

[W]er entscheidet im Einzelfall, was böse und was Hetze ist? Wer entscheidet, was der rechte Rand ist? Und warum soll eigentlich irgendetwas verschwinden, nur weil es vom rechten Rand kommt? Es kommt doch nicht auf den Absender, sondern auf die Botschaft an und in einem Rechtsstaat sollte doch bitte das geltende Gesetz regeln, was erlaubt und was verboten ist.

Ich stimme nicht mit jeder Aussage hunderprozentig überein, empfehle den Text aber trotzdem unbedingt.

Was Berger leider nicht betrachtet, ist die Tatsache, dass es in Deutschland vor etwa fünf oder zehn Jahren durchaus noch eine große Anzahl von privaten Blogs gegeben hat, die sehr lebendig und gut vernetzt gewesen sind und, wenn man so will, eine Art Vorläufer der heute auf Facebook stattfindenden Kommunikationsform war. Auf einem selbstbetriebenen Blog war man immerhin »Herr im eigenen Hause«, wenngleich es auch damals durchaus heftige Diskussionen um Kommentar-Löschungen und »Zensur« gegeben hat. Heute ist die deutsche Blogger-Szene trotz geringer technischer Hürden mit Ausnahme einiger Fach-Blogs praktisch tot und die private Kommunikation – und damit auch die Kontrolle darüber – fast vollständig zu Facebook gewandert. Das halte ich eben auch für bedauerlich.

F.A.Z. versus Teletext

Die F.A.Z. bzw. deren Online-Ableger schreibt gerne negative, pessimistische, ja fast schon gehässige Texte. Zumindest dann, wenn es um technische Themen (also in erster Linie um Tech-Giganten aus den USA) geht1 oder, natürlich, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, für den man selten ein gutes Wort übrig hat.

Aktuelles Beispiel: Redakteurin Ursula Scheer spottet wortreich über den vermeintlich altbackenen und ideenlosen, ja hilflosen Bayerischen Rundfunk. Warum? Weil man den »Bayerntext«, also das Teletext-Angebot des BR zu seinem dreißigsten Geburtstag umbenennt in »BR-Text«.

Ich habe den Eindruck, die Autorin stört sich irgendwie daran:

Will einem partout nichts Neues einfallen, weder inhaltlich noch medial, obwohl man doch gerne frisch und jung und jugendlich, innovativ und lebenslang lernbereit erscheinen möchte, hilft nur die verbale Flucht nach vorn.

Und weiter:

Das ist ja ganz was Neues. Da schauen wir natürlich gleich ganz anders auf die guten alten Teletext-Tafeln, die optisch in die Urzeiten der Computerära entführen

Klingt für mich schon etwas überheblich. Und das von einem Zeitungsverlag. Zeitungsverlage, ihr wisst schon: Das sind die, die bis heute an gedruckten(!) Tages(!)zeitungen festhalten und die mitunter als letztes und einziges Argument für die vermeintliche Überlegenheit gegenüber der digitalen Distribution Geruch und Haptik ebendieses bedruckten Papieres hervorbringen können. Die seit Jahrzehnten nicht in der Lage sind, auf die Marktentwicklungen angemessen zu reagieren2 und stattdessen alles versuchen, um auf gesamteuropäischer Ebene eine Art Zwangsgebühr zu vollkommen absurden Bedingungen von Google zu erhalten.

Natürlich kann man den Teletext belächeln und sich über eine Umbenennung des Bayerntextes lustig machen. Aber: gedruckte Zeitungen sind nicht weniger altbacken als der Teletext, das sollten die Verlage auch mal verinnerlichen.


  1. Das kann man teilweise nur noch als krass bezeichnen. Ich sammle nebenbei immer wieder Links, wenn ich wieder über entsprechende Beispiele stolpere. Irgendwann werde ich das (wahrscheinlich) auch noch verbloggen. 

  2. Es sei angemerkt, dass die kostenpflichtigen Digital-Angebote in den letzten Jahren deutlich besser geworden sind, auch das der F.A.Z. Ich denke, das sollten die Verlage langsam auch finanziell spüren. 

Haters gonna hate

Mit lustigen Mem-Bildchen gegen Hate Speech angehen. Was für eine Scheiß-Idee!

Zum Thema »Hate Speech« im Internet habe ich hier schon das eine oder andere Mal etwas geschrieben, und ich bin wirklich kein Freund von »Hate Speech«, obwohl ich schon sagen muss, dass man vorsichtig sein sollte, wo man da die Grenzen zieht. Wer allerdings »ins Internet« schreibt, alle Flüchtlinge sollten verrecken oder in die noch erhaltenen Konzentrationslager gesteckt werden, der überschreitet dermaßen viele Grenzen und sollte meiner Meinung nach nicht nur möglichst viel Contra bekommen, sondern soweit möglich dann auch juristisch belangt werden.

Wie Heise Online berichtet, gibt es im Kampf gegen »Hate Speech« eine neue Initiative, die dazu auffordert, Hass-Postings mit humorvollen Bildchen zu kontern:

Die Initiative "No Hatespeech Movement" des Europarats will Internetnutzern zeigen, wie sie sich auf humorvolle Art gegen Hasskommentare im Netz wehren können.

Und was soll man sagen? Die Initiative hat eine ganz, ganz furchtbare und schlecht funktionierende Internetseite (Response-Zeiten im Minutenbereich sind halt nicht akzeptabel), auf der ein paar bekannte Bildmotive ausgestellt werden, die mit Sprüchen garniert sind, die sich auf unterstem intellektuellen Niveau bewegen:

You put the Ass in Hass

Ich mag wie einfach dein Weltbild gestrickt ist. Nicht.

Wow. Das wird die Hater aber beeindrucken! Nicht. Ich fürchte ja, dass nicht einmal die urheberrechtlichen Fragen für die Verwendung der Bilder geklärt sein dürfte; und wie gesagt: inhaltlich ist das so ein blödes, kindisches Niveau, dass man staunen muss. Die Site bietet ein paar Erklärtexte, die darlegen, dass es zumindest theoretisch in Deutschland ausreichend gesetzliche Grundlagen gibt, um (eindeutige) »Hate Speech« zu verfolgen. Und wenn Heise schreibt, dieses Projekt werde vom Europrat gefördert, muss ich annehmen, dass dieser Quatsch auch noch mit Steuergeldern bezahlt wird. Oh mein Gott :-(