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Stichwort-Suche nach: Hate Speech.

Jens Berger zu Hate Speech und Facebook-Zensur

Noch einmal zum Thema »Hate Speech« ein kleiner Lesetipp: Der Journalist Jens Berger spricht ein paar bedenkenswerte bzw. problematische Dinge rund um Hate Speech und Facebook in einem Artikel auf den Nachdenkseiten unter dem Titel »Die Allmacht der Algorithmen – unser Facebook-Dilemma« an:

[W]er entscheidet im Einzelfall, was böse und was Hetze ist? Wer entscheidet, was der rechte Rand ist? Und warum soll eigentlich irgendetwas verschwinden, nur weil es vom rechten Rand kommt? Es kommt doch nicht auf den Absender, sondern auf die Botschaft an und in einem Rechtsstaat sollte doch bitte das geltende Gesetz regeln, was erlaubt und was verboten ist.

Ich stimme nicht mit jeder Aussage hunderprozentig überein, empfehle den Text aber trotzdem unbedingt.

Was Berger leider nicht betrachtet, ist die Tatsache, dass es in Deutschland vor etwa fünf oder zehn Jahren durchaus noch eine große Anzahl von privaten Blogs gegeben hat, die sehr lebendig und gut vernetzt gewesen sind und, wenn man so will, eine Art Vorläufer der heute auf Facebook stattfindenden Kommunikationsform war. Auf einem selbstbetriebenen Blog war man immerhin »Herr im eigenen Hause«, wenngleich es auch damals durchaus heftige Diskussionen um Kommentar-Löschungen und »Zensur« gegeben hat. Heute ist die deutsche Blogger-Szene trotz geringer technischer Hürden mit Ausnahme einiger Fach-Blogs praktisch tot und die private Kommunikation – und damit auch die Kontrolle darüber – fast vollständig zu Facebook gewandert. Das halte ich eben auch für bedauerlich.

Haters gonna hate

Mit lustigen Mem-Bildchen gegen Hate Speech angehen. Was für eine Scheiß-Idee!

Zum Thema »Hate Speech« im Internet habe ich hier schon das eine oder andere Mal etwas geschrieben, und ich bin wirklich kein Freund von »Hate Speech«, obwohl ich schon sagen muss, dass man vorsichtig sein sollte, wo man da die Grenzen zieht. Wer allerdings »ins Internet« schreibt, alle Flüchtlinge sollten verrecken oder in die noch erhaltenen Konzentrationslager gesteckt werden, der überschreitet dermaßen viele Grenzen und sollte meiner Meinung nach nicht nur möglichst viel Contra bekommen, sondern soweit möglich dann auch juristisch belangt werden.

Wie Heise Online berichtet, gibt es im Kampf gegen »Hate Speech« eine neue Initiative, die dazu auffordert, Hass-Postings mit humorvollen Bildchen zu kontern:

Die Initiative "No Hatespeech Movement" des Europarats will Internetnutzern zeigen, wie sie sich auf humorvolle Art gegen Hasskommentare im Netz wehren können.

Und was soll man sagen? Die Initiative hat eine ganz, ganz furchtbare und schlecht funktionierende Internetseite (Response-Zeiten im Minutenbereich sind halt nicht akzeptabel), auf der ein paar bekannte Bildmotive ausgestellt werden, die mit Sprüchen garniert sind, die sich auf unterstem intellektuellen Niveau bewegen:

You put the Ass in Hass

Ich mag wie einfach dein Weltbild gestrickt ist. Nicht.

Wow. Das wird die Hater aber beeindrucken! Nicht. Ich fürchte ja, dass nicht einmal die urheberrechtlichen Fragen für die Verwendung der Bilder geklärt sein dürfte; und wie gesagt: inhaltlich ist das so ein blödes, kindisches Niveau, dass man staunen muss. Die Site bietet ein paar Erklärtexte, die darlegen, dass es zumindest theoretisch in Deutschland ausreichend gesetzliche Grundlagen gibt, um (eindeutige) »Hate Speech« zu verfolgen. Und wenn Heise schreibt, dieses Projekt werde vom Europrat gefördert, muss ich annehmen, dass dieser Quatsch auch noch mit Steuergeldern bezahlt wird. Oh mein Gott :-(