Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam

Blasmusikpop

Blasmusikpop: Das letzte Buch, das ich im vergangenen Jahr zu Ende gelesen habe, und über das ich ursprünglich viel früher etwas schreiben wollte (allerdings hatte ich, wie man unschwer erkennen kann, in den letzten Wochen wenig Lust, hier etwas zu schreiben), gehört definitiv zu den besseren Texten, die ich 2015 gelesen habe. Der 2012 erschienene Debütroman der österreichischen Autorin Vea Kaiser erzählt die Geschichte des jungen Johannes Irrwein, der in einem kleinen Alpendorf aufwächst und seinem Großvater, dem einzigen Studierten im Ort und Dorfdoktor, nacheifert. Johannes, der wie sein großes Vorbild konsequent Hochdeutsch redet und seine Heimat als rückständig und bisweilen sogar als barbarisch empfindet, wird (oder macht sich) zum Außenseiter und flüchtet sich nach dem frühen Unfalltod des Großvaters mehr und mehr in seine eigene Welt. Mit dem Erwachsenwerden beginnt sich seine Haltung zum Dorf und zu dessen Bewohnern jedoch langsam zu ändern.

Die Erzählung bietet einen fast liebevollen (aber sicherlich keinen, wie einige Rezensenten bei Amazon es empfinden, beleidigenden) Blick auf so ziemlich jedes Dorf-Klischee, das man sich vorstellen kann, ist mit viel Ironie geschrieben und trotz der einen oder anderen Länge sehr unterhaltsam. Allein der ausgeschriebene Dialekt ist herrlich, allerdings gelingt das der Autorin bei den am Ende auftretenden Norddeutschen nicht ganz so gut :-) Nur gegen Ende wird die Geschichte leider ein wenig zu kitschig.

Ich selbst bin in einem Dorf (in Norddeutschland, nicht in den Bergen) aufgewachsen; vielleicht hat mich das Buch deshalb so amüsiert. Dazu kommt, dass mich beim Lesen vieles an dieses eine Alpendorf erinnert hat, das ich tatsächlich mal für ein paar Tage besuchen durfte.

Das Buch bekommt auf der Gewi-Skala vier von fünf Punkten und eine klare Leseempfehlung.

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden

Kommentar hinterlassen