Die Sache mit der Drossel

Als die Telekom vor einiger Zeit ankündigte, auch Festnetzanschlüsse nach Vorbild der Mobilfunk-»Flatrates« nach Verbrauch eines bestimmten Volumenkontingentes in der Geschwindigkeit stark zu drosseln, war abzusehen, dass andere Service-Provider mitziehen würden. Nun trifft es DSL-Kunden von O2 / Telefónica Deutschland.

Bild: Joachim Kampe (CC BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 de or GFDL) via Wikimedia Commons

Telefónica Deutschland macht laut Golem Ernst und setzt seit Februar Drosselungen auch im Festnetzbereich um und nennt das Ganze dann auch noch euphemistisch »Fair-Use-Mechanik«. Na ja, klar: zusätzliches Datenvolumen kann ja auch stückweise zur neuen »Flatrate« dazugekauft werden, vom Internet ausgeschlossen wird hier niemand.

Wohin solche Drosselungen – wahrscheinlich – langfristig führen werden, hat Alexander Lehmann (»Du bist Terrorist«) bereits vor knapp zwei Jahren recht anschaulich in einem Video dargestellt:

Aber ich schweife ab. Als O2-Kunde wollte ich eigentlich nur einmal schnell über den Kundenservicebereich »Mein O2« nachschauen, wo ich aktuell mit meinem Datenverbrauch stehe. Immerhin nutze ich seit einigen Wochen sehr intensiv sowohl Amazon Prime Instant Video für Filme und Serie sowie Zattoo Premium für IPTV – beide Dienste großteils in HD. Dazu kommen Spotify für Musik und – als Software-Entwickler – nicht gerade wenige und auch nicht immer nur sehr kleine Datei-Downloads. Dazu Internet-Radio und der andere übliche Kram.

Ich stelle fest: im Kundencenter ist zwar eine entsprechende Funktion vorgesehen, die liefert mir aber keine Daten, sondern nur eine Fehlermeldung. Also denke ich mir, sollte doch der Router in der Lage sein, ein brauchbares Accounting zu machen. Aber nein. O2 stellt seinen Kunden recht verkrüppelte Geräte zur Verfügung, die nur wirklich rudimentäre Funktionen mit sich bringen. Aber die Gelegenheit könnte ich doch wenigstens nutzen, um die Firmware des Routers zu aktualisieren, oder? Immerhin gibt es ja immer wieder große Sicherheitslücken, die auch in Hinblick auf die Störerhaftung durchaus relevant sind. Leider geht das auch nicht. Ein Update der Routers ist anscheinend nicht vorgesehen. Oder nicht aktiviert. Wer weiß das schon so genau? Ach ja: die Foren (Nichts anderes scheint sich auf den O2-Seiten hinter dem Menüpunkt »Hilfe« zu verbergen; und wo soll ich hier sonst Infos zu Updates finden?) funktionieren auch nicht. Jedenfalls nicht bei mir. Oder nicht mit dem Firefox. Oder nur gerade jetzt nicht. Wer weiß das schon so genau?

Da der Kunde von O2 auch keine PPPoE-Zugangsdaten mitgeteilt bekommt – jedenfalls nicht automatisch – und diese auch nicht über den Router einsehbar sind, gehe ich davon aus, dass der Austausch des Krüppelgeräts durch einen vernünftigen Ersatz nicht gewünscht ist. Hach, so eine FRITZ!Box wäre was feines – trotz der immer noch erstaunlich unprofessionell wirkenden Aufmachung! Allein diese »Heckflossen«, die vielleicht an ein schnelles Auto erinnern sollen? Aber wer weiß das schon so genau?

Wie auch immer. Am Ende habe ich nicht erfahren, wieviel Traffic ich über meinen Festnetzanschluss in etwa monatlich verbrauche. Allerdings habe ich noch irgendwo gelesen, dass die älteren Tarife noch nicht gedrosselt werden – was auch die Fehlermeldung auf der Kunden-Website erklären würde.

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