Satire darf alles? Am Arsch!

Einen kurzen Augenblick lang schienen sich Politik, Medien und Gesellschaft in Deutschland einig zu sein: Satire darf alles! Ganz gleich, wie platt, wie geschmacklos und beleidigend Karikaturen sein mögen – sie stehen doch gerade deshalb für unsere »westliche, freiheitliche und aufgeklärte Werteordnung«.

Bildquelle: Metronaut.de

Selbst diejenigen, die nur einmal vorsichtig daran erinnerten, dass man Satire durchaus kritisch bewerten darf und soll wurden geradezu ins Bett mit Terroristen geredet.

Und dennoch: Natürlich waren diese lauten Bekenntnisse ein gehöriges Stück weit heuchlerisch.

Denn natürlich darf – eben auch in Deutschland – Satire nur dann alles, wenn sie sich nicht gegen die falschen richtet. Das war nicht nur bei Michael Lerchenberg so. Selbstverständlich hat es nach den furchtbaren Ereignissen um Charlie Hebdo nicht lange gedauert, bis sich die CSU mit der Forderung nach einer Verschärfung(!) des »Gotteslästerungs-Paragraphen« zu Wort gemeldet hat.

Und besonders empfindlich ist man auch heute noch, wenn mit den Mitteln der Satire auf die Nazi-Vergangenheit angespielt wird. Aktuell trifft es das Blog Metronaut.de, das mit Motiven der Olympischen Spiele von 1936 eine solche Satire zur aktuellen Olympia-Bewerbung Berlins veröffentlicht hatte – und gleich zwei strafbewehrte Abmahnungen, die zur Entfernung der Inhalte auffordern, dafür kassiert hat.

Nun könnte man sagen: Sollte Angela Merkel tatsächlich so etwas wie Rückgrat besitzen (nebenbei: ebendieses wird gerade versteigert), böte sich ihr hier die optimale Gelegenheit, das zu beweisen. Nicht, dass sie sich in irgendwelche rechtlichen Auseinandersetzungen einmischen könnte – aber ein klares, entschiedenes Bekenntnis zu Presse- und Kunstfreiheit in dieser Angelegenheit doch etwas feines.

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