Ein Jahr Snowden-Leaks

Vor einem Jahr begann mit den ersten Veröffentlichung im britischen Guardian der größte Überwachungsskandal unserer Geschichte. Folgen hat dieser Skandal – außer für den Whistleblower Edward Snowden – keine.

Seit einem Jahr wissen wir nun also, dass praktisch unsere gesamte Internet-Kommunikation lücken- und anlasslos überwacht, protokolliert und ausgewertet wird.

Zu den verwendeten Mitteln gehören das Anzapfen von Unterseekabeln und (privaten!) Datenleitungen zwischen Rechenzentren, das Abfangen und Verwanzen von Netzwerktechnik, die Manipulation von Betriebssystemen, Verschlüsselungstechnik und -Protokollen usw. usf.

In Großbritannien ist man sich schon nicht einmal mehr zu fein, um in Redaktionsbüros zu marschieren und dort Notebooks und Unterlagen zu vernichten – um weitere Enthüllungen von, so zumindest immer die offizielle Darstellung, demokratisch legitimierten Überwachungsmaßnahmen zu verhindern.

Die deutsche Politik hat ganz offensichtlich kein Interesse, an der Massenüberwachung etwas zu ändern – stattdessen fordert man trotz der Urteile von Bundesverfassungsgericht und Europäischem Gerichtshof unverdrossen die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung und ist man bestrebt, die eigenen Befugnisse und (technischen) Fähigkeiten auf ein ähnliches Niveau wie das von NSA, GCHQ und Co. anheben zu dürfen.

Und der schlechteste Bundesinnenminister aller Zeiten (mittlerweile a. D.) proklamiert ein »Supergrundrecht Sicherheit«, dem alles andere unterzuordnen sei.

Die meisten Menschen, die ich kenne, interessieren sich schlicht und einfach nicht für die Totalüberwachung der (ihrer!) Telekommunikation, und sei sie noch so privat, noch so intim.

Das Paradoxe: Wahrscheinlich sind unter diesen Menschen auch diejenigen anzutreffen, die Sturm laufen, wenn Google monate- oder jahrealte Fotos von Häuserfassaden veröffentlichen möchte; diejenigen, die Google mit tausenden von Löschanfragen überfluten, um ihr neues »Recht auf Vergessen« geltend zu machen; diejenigen, die Angst davor haben, dass Facebook »alle meine Daten hat«.

Hach. Überwachung tut halt nicht weh. Noch nicht.

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