Deine Schulpolitik ist im irgendwie Arsch, wenn …

… von Regierungsseite aus die Investition von 5 Milliarden Euro in die Digitalisierung von Schulen angeregt wird – und es von Leherverbänden und Gewerkschaften Widerstand und Protest gibt.

In Deutschland kann man noch immer den Eindruck bekommen, der Umgang mit Rechnern, Smartphones und Internet sei etwas irgendwie Verwerfliches, Unmoralisches und Schädliches (Manni Spitzer ist ein prominentes und ebenso trauriges Beispiel für diese Haltung) und nicht etwa eine längst alltäglich gewordene Kulturtechnik – und auch in der Arbeitswelt seit langem eine essentielle Fähigkeit.

(An dieser Stelle könnte ich mich sehr ausführlich über Kollegen und Kolleginnen auslassen, die zwar seit Jahren oder Jahrzehnten an einem reinen »Bildschirm-Arbeitsplatz« tätig sind und trotzdem nicht einmal benennen könnten, welche unterschiedlichen Software-System sie da bedienen oder was der Unterschied zwischen Intranet und Internet ist. Aber das erspare ich mir lieber.)

Ein gutes Beispiel für die merkwürdige Kritik an den aktuellen Plänen von Bildungsministerin Wanka ist eine Aussage von Josef Kraus, dem sicherlich junggebliebenen 67-jährigen Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes:

Gerade sozial schwache Schüler müssen lesen, lesen, lesen - und zwar das gedruckte Wort.

Ich möchte wirklich einmal wissen, wo die Idee herkommt, das geschriebe Wort sei auf Papier wertvoller oder wahrhaftiger als auf einen TN-Panel. Das ist eine Aussage, die etwa Zeitungsverleger hervorbringen, wenn es um das vermeintliche »Schutzbedürfnis« von gedruckten Zeitungen geht.

Auf der Internetseite des NDR habe ich einen Kommentar von H. Engelhardt gefunden, der ein schönes Fazit formuliert, und den ich deshalb hier in Gänze wiedergebe:

Die Schüler von heute werden für das Jahr 2030 ff. ausgebildet, nicht für 1980. Sie müssen lernen, verlässliche Quellen im Internet von zweifelhaften zu unterscheiden, was ein Plagiat ist und wie man die gefundenen Informationen miteinander abgleicht und sinnvoll kombiniert. Ja, das ist anders als früher. Und daher sind Computer an Schulen dringend notwendig. Und auch die Lehrer sollten ihre Scheuklappen ablegen - gestern Abend hat die Englischlehrerin tatsächlich den Kauf eines Wörterbuchs empfohlen. Im Jahr 2016. Ich konnte es nicht fassen. Bitte, liebe Lehrer, habt keine Angst vor der Zukunft. Sie kommt sowieso. Und das Internet geht auch nicht wieder weg.

Wenn wir aber weiterhin unsere Kinder und Jugendlichen versuchen, vor der Digitalisierung des Alltags abzuschotten und »zu schützen«, dann brauchen wir uns auch nicht darüber zu wundern, dass IT-Berufe zumindest in Deutschland nicht ihr Nerd-Image loswerden und nach wie vor kaum junge Frauen in diese Berufe einsteigen wollen.

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden

Kommentar hinterlassen