F.A.Z. versus Teletext

Die F.A.Z. bzw. deren Online-Ableger schreibt gerne negative, pessimistische, ja fast schon gehässige Texte. Zumindest dann, wenn es um technische Themen (also in erster Linie um Tech-Giganten aus den USA) geht1 oder, natürlich, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, für den man selten ein gutes Wort übrig hat.

Aktuelles Beispiel: Redakteurin Ursula Scheer spottet wortreich über den vermeintlich altbackenen und ideenlosen, ja hilflosen Bayerischen Rundfunk. Warum? Weil man den »Bayerntext«, also das Teletext-Angebot des BR zu seinem dreißigsten Geburtstag umbenennt in »BR-Text«.

Ich habe den Eindruck, die Autorin stört sich irgendwie daran:

Will einem partout nichts Neues einfallen, weder inhaltlich noch medial, obwohl man doch gerne frisch und jung und jugendlich, innovativ und lebenslang lernbereit erscheinen möchte, hilft nur die verbale Flucht nach vorn.

Und weiter:

Das ist ja ganz was Neues. Da schauen wir natürlich gleich ganz anders auf die guten alten Teletext-Tafeln, die optisch in die Urzeiten der Computerära entführen

Klingt für mich schon etwas überheblich. Und das von einem Zeitungsverlag. Zeitungsverlage, ihr wisst schon: Das sind die, die bis heute an gedruckten(!) Tages(!)zeitungen festhalten und die mitunter als letztes und einziges Argument für die vermeintliche Überlegenheit gegenüber der digitalen Distribution Geruch und Haptik ebendieses bedruckten Papieres hervorbringen können. Die seit Jahrzehnten nicht in der Lage sind, auf die Marktentwicklungen angemessen zu reagieren2 und stattdessen alles versuchen, um auf gesamteuropäischer Ebene eine Art Zwangsgebühr zu vollkommen absurden Bedingungen von Google zu erhalten.

Natürlich kann man den Teletext belächeln und sich über eine Umbenennung des Bayerntextes lustig machen. Aber: gedruckte Zeitungen sind nicht weniger altbacken als der Teletext, das sollten die Verlage auch mal verinnerlichen.


  1. Das kann man teilweise nur noch als krass bezeichnen. Ich sammle nebenbei immer wieder Links, wenn ich wieder über entsprechende Beispiele stolpere. Irgendwann werde ich das (wahrscheinlich) auch noch verbloggen. 

  2. Es sei angemerkt, dass die kostenpflichtigen Digital-Angebote in den letzten Jahren deutlich besser geworden sind, auch das der F.A.Z. Ich denke, das sollten die Verlage langsam auch finanziell spüren. 

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